von Pascal Heires | 15. Apr. 2026 | Rente
Viele junge Menschen beschäftigen sich nach dem Schulabschluss, der Ausbildung oder dem Studium zunächst verständlicherweise nicht mit ihrer späteren Rente. Das ist nachvollziehbar – aber nicht immer sinnvoll.
Denn gerade schulische Ausbildungszeiten, beispielsweise einer Fachschule oder eines Studiums sind später rentenrechtlich relevant. Wenn diese Zeiten im Versicherungskonto der Deutsche Rentenversicherung nicht oder nicht vollständig erfasst sind, kann das später zu Nachteilen führen.
Die Deutsche Rentenversicherung meldet sich häufig erst sehr spät
Viele Versicherte gehen davon aus, dass die Deutsche Rentenversicherung den Versicherungsverlauf automatisch rechtzeitig übersendet und etwaige Lücken dann geklärt werden können. In der Praxis ist das häufig zu spät.
Den ersten Versicherungsverlauf erhält man grundsätzlich zusammen mit der Renteninformation –regelmäßig erst ab dem 27. Lebensjahr und nur dann, wenn bereits mindestens fünf Jahre Beitragszeiten vorhanden sind. Ein Versicherungsverlauf im Rahmen des automatischen Kontenklärungsverfahrens wird in der Regel sogar erst ab dem 43. Lebensjahr versandt. Gleichzeitig weist die DRV darauf hin, dass Versicherte jederzeit selbst einen aktuellen Versicherungsverlauf anfordern können.
Genau das sollte man auch tun.
Denn wenn Schul- oder Studienzeiten erst mit 43 Jahren oder später überprüft werden, liegen diese Zeiträume häufig schon viele Jahre oder sogar Jahrzehnte zurück.
Warum eine späte Klärung problematisch sein kann
Je später der Versicherungsverlauf geprüft wird, desto schwieriger wird es oft, fehlende Zeiten nachzuweisen.
Typische Probleme sind beispielsweise:
- Schul- oder Hochschulbescheinigungen sind nicht mehr vorhanden
- Archive sind schwer zugänglich
- frühere Ausbildungsnachweise wurden nicht aufbewahrt
- einzelne Zeiten lassen sich nur noch mit erheblichem Aufwand belegen
Deshalb ist es sinnvoll, den Versicherungsverlauf frühzeitig und proaktiv zu prüfen – also deutlich vor dem automatischen Kontenklärungsverfahren.
Welche Ausbildungszeiten berücksichtigt werden können
Besonders wichtig sind schulische Ausbildungszeiten in Deutschland bereits ab dem 17. Lebensjahr. Dazu können beispielsweise gehören:
- Zeiten einer allgemeinbildenden Schule (z. B. Oberstufe/Abitur)
- Fachschulzeiten (z.B. Technikerschule)
- Studienzeiten an Hochschulen oder Universitäten
Diese Zeiten können rentenrechtlich berücksichtigt werden.
Wichtig ist dabei:
Die Anrechnung schulischer Ausbildungszeiten ist gesetzlich auf maximal 8 Jahre, also 96 Monate begrenzt.
Nicht berücksichtigte Monate können unter Umständen noch ausgeglichen werden und im Versicherungsverlauf berücksichtigt werden
Wird diese Höchstdauer von 8 Jahren überschritten, werden darüber hinausgehende Monate nicht berücksichtigt.
Was viele nicht wissen:
Solche Zeiten können in bestimmten Fällen bis zur Vollendung des 45. Lebensjahres durch freiwillige Beiträge nachgezahlt werden. Daneben kann sogar 16. Lebensjahr durch freiwillige Beiträge nachgezahlt werden.
Das kann ein wichtiger Gestaltungsspielraum sein.
Denn ab dem 45. Lebensjahr ist diese Möglichkeit grundsätzlich nicht mehr eröffnet. Wer sich also erst spät mit seinem Versicherungsverlauf beschäftigt, riskiert nicht nur Nachweisprobleme, sondern möglicherweise auch den Verlust konkreter rentenrechtlicher Handlungsmöglichkeiten.
Für Grenzgänger nach Luxemburg ist der deutsche Versicherungsverlauf besonders relevant
Besonders wichtig ist die frühzeitige Klärung des Versicherungsverlaufs für Grenzgänger zwischen Deutschland und Luxemburg.
Der Hintergrund:
Schulische Ausbildungszeiten in Deutschland können bei grenzüberschreitenden Versicherungsverläufen später eine erhebliche Rolle spielen. Gerade im Verhältnis zu Luxemburg kann die Berücksichtigung solcher Zeiten für den späteren Rentenbeginn von Bedeutung sein.
Das bedeutet in der Praxis:
Wer in Deutschland zur Schule gegangen ist oder studiert hat und später in Luxemburg arbeitet, sollte seine deutschen Versicherungszeiten nicht erst spät prüfen lassen.
Denn wenn diese Zeiten später fehlen oder nicht mehr ausreichend nachgewiesen werden können, kann das auch im grenzüberschreitenden Rentenverfahren unnötige Nachteile oder Verzögerungen verursachen.
von Pascal Heires | 26. März 2026 | Rente
Was bedeutet die Beitragsbemessungsgrenze?
Die Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) bestimmt, bis zu welchem maßgeblichen Einkommen Beiträge erhoben werden. Liegt das gesamte beitragspflichtige Einkommen im Jahr darüber, werden Beiträge nur bis zu dieser Grenze berechnet; der darüber liegende Teil bleibt beitragsfrei. Diese Grenze ist gesetzlich festgelegt und jährlich an die Lohn- und Gehaltsentwicklung angepasst.
Für das Jahr 2026 beträgt die Beitragsbemessungsgrenze in der GKV:
- 69.750 Euro jährlich
- 5.812,50 Euro monatlich
Warum die Beitragsbemessungsgrenze gerade für (künftige) Rentner relevant ist
Personen, die eine Rente beziehen und daneben weiter Einkommen erzielen (z. B. durch Arbeit, Betriebsrente oder ähnliche Einnahmen), können im Laufe eines Kalenderjahres eine Gesamteinkommenshöhe erreichen, bei der die Beitragsbemessungsgrenze überschritten wird. Wenn Beiträge von jedem Einkommensteil einzeln berechnet werden, kann das zunächst zu zu hohen Gesamtzahlungen führen.
Das liegt daran, dass die Krankenkasse erst nach Eingang aller Meldungen die Gesamtsituation erkennt. Ohne sachliche Prüfung im Nachhinein werden Beiträge auf jeden einzelnen Einkommensteil erhoben.
§ 231 SGB V: Erstattungsanspruch für zu hohe Beiträge
Rechtlich regelt § 231 des Fünften Sozialgesetzbuchs (SGB V) die Erstattung von zu Unrecht gezahlten Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträgen. Wesentliche Punkte dieser Regelung:
- Beiträge dürfen nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze erhoben werden. Liegt die Summe aller beitragspflichtigen Einnahmen über dieser Grenze, besteht ein gesetzlicher Erstattungsanspruch für den Teil, der zu viel entrichtet wurde.
- Die gesetzliche Krankenkasse ist der richtige Ansprechpartner für die Prüfung und Erstattung.
- Eine Erstattung erfolgt nur auf ausdrücklichen Antrag der versicherten Person. Ohne Antrag bleibt der Anspruch unangetastet.
Informationspflicht der Krankenkassen
Gesetzlich Versicherte müssen von ihrer Krankenkasse informiert werden, wenn eine Überschreitung der Beitragsbemessungsgrenze festgestellt wird. Das heißt aber nicht, dass die Erstattung automatisch erfolgt. Die Meldung dient der Information; der Versicherte muss den Antrag stellen und die Situation darlegen.
Antragstellung und Verjährung
Ein Antrag auf Erstattung kann formlos gestellt werden. Er sollte enthalten:
- Die Versicherungsnummer der GKV
- Angaben zu den verschiedenen Einkommensarten im betreffenden Jahr
- Die Bitte um Prüfung und Erstattung zu hoher Beiträge
Der Erstattungsanspruch verjährt nach vier Jahren zum Ende des Kalenderjahres, in dem die Beiträge gezahlt wurden. Eine rechtzeitige Antragstellung ist deshalb entscheidend.
Praxisbeispiel: Rente plus Nebenverdienst
Für viele Betroffene ist die Kombination aus Rente und Nebenverdienst heutzutage typisch. Obwohl jede Einnahme einzeln beitragspflichtig erscheint, gilt für die gesamte Summe die einzige Beitragsbemessungsgrenze im Kalenderjahr. Übersteigt die Gesamtsumme durch beide Einkommensarten die Grenze, sind zu viel gezahlte Beiträge erstatten lassen.
Fazit für Rentner und Ruheständler
- Die Beitragsbemessungsgrenze begrenzt die Beitragspflicht zur GKV.
- Bei mehreren Einkommensarten können im Jahresverlauf Überzahlungen entstehen.
- § 231 SGB V begründet einen Erstattungsanspruch.
- Eine Erstattung erfolgt nur auf Antrag bei der Krankenkasse.
- Die Verjährungsfrist beträgt vier Jahre – rechtzeitiges Handeln lohnt sich.
Wenn Sie mehrere Einkünfte neben einem Rentenbezug erhalten, sollten Sie nachprüfen. Es geht nicht um Kulanz, sondern um einen gesetzlich gesicherten Anspruch auf Erstattung der zu viel gezahlten Beiträge.
von Pascal Heires | 10. Feb. 2026 | Rente
Was die Aktivrente tatsächlich ermöglicht
Die sogenannte Aktivrente ist kein Rentenmodell und auch kein neues sozialversicherungsrechtliches Instrument. Sie ist eine rein steuerliche Regelung, die Menschen ab Erreichen der Regelaltersgrenze die Möglichkeit eröffnet, monatlich bis zu 2.000 Euro steuerfrei hinzuzuverdienen. Dadurch entsteht ein zusätzlicher finanzieller Spielraum für alle, die auch im Ruhestand beruflich aktiv bleiben möchten. An den sozialversicherungsrechtlichen Rahmenbedingungen ändert die Aktivrente jedoch nichts. Arbeitsentgelt bleibt arbeitsrechtlich und sozialversicherungsrechtlich Arbeitsentgelt – unabhängig von der steuerlichen Behandlung.
Warum die sozialversicherungsrechtliche Lage trotz Steuerfreiheit unverändert bleibt
Während die Aktivrente die steuerliche Belastung senkt, bleiben die Grundlagen des deutschen und europäischen Sozialrechts bestehen. Die Sozialversicherung knüpft nach wie vor an die tatsächliche Ausübung einer Beschäftigung an, nicht an deren steuerliche Bewertung. Das gilt für die Kranken-, Pflege-, Rentenversicherung ebenso wie für die EU-weiten Koordinierungsvorschriften.
Besondere Bedeutung für Grenzgänger
Für Grenzgänger ist dieser Grundsatz besonders relevant. Die europäische Rechtslage sieht vor, dass grundsätzlich der Staat zuständig ist, in dem die Beschäftigung ausgeübt wird. Nimmt ein Grenzgänger mit Wohnsitz in Deutschland eine Beschäftigung im Inland auf, führt dies gegebenenfalls automatisch zur deutschen Sozialversicherung. Luxemburg verliert für die Dauer dieser Beschäftigung die Zuständigkeit, da das EU-Recht ausschließlich an die tatsächliche Arbeitsausübung anknüpft.
Zusatz für Grenzgänger: Rentenversicherungsbeiträge, sofern die deutsche Altersrente nicht bezogen wird
Grenzgänger sollten darüber hinaus einen weiteren Punkt berücksichtigen. Wer durch eine Beschäftigung in Deutschland wieder in das deutsche Sozialversicherungssystem einbezogen wird, ist nicht automatisch von der Rentenversicherung befreit. Die Rentenversicherungsfreiheit setzt erst dann ein, wenn eine deutsche Altersvollrente tatsächlich bezogen wird.
Wer ausschließlich eine luxemburgische Altersrente erhält und die deutsche Altersrente bislang nicht beantragt hat, bleibt bei Aufnahme einer Beschäftigung in Deutschland rentenversicherungspflichtig. Diese Beiträge erhöhen zwar langfristig die deutsche Rente und können daher durchaus sinnvoll sein, sollten aber bewusst eingeplant werden.
Wer bereits eine deutsche Altersvollrente bezieht, ist ab Erreichen der Regelaltersgrenze automatisch rentenversicherungsfrei. Auf Wunsch kann freiwillig weiter in die Rentenversicherung eingezahlt werden.
Auswirkungen auf Hinterbliebenenrenten
Der steuerfreie Hinzuverdienst wird rentenrechtlich weiterhin als Arbeitsentgelt bewertet. Seine steuerliche Privilegierung hat keinen Einfluss darauf, wie die Deutsche Rentenversicherung oder die CNAP das Einkommen einordnet. Für Hinterbliebenenrenten bedeutet das, dass das zusätzliche Einkommen grundsätzlich in die Einkommensanrechnung einfließt. Abhängig von der individuellen Situation kann dies zu einer Reduzierung der Hinterbliebenenrente führen. Die Einkommensermittlung ist an der realen wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit orientiert, nicht an steuerlichen Sondervorschriften.
von Pascal Heires | 21. Jan. 2026 | Rente
Rentenzuschlag nach § 307i und § 307j SGB VI – verständlich erklärt
Viele ältere Renten wegen Erwerbsminderung oder Todes wurden zu einer Zeit berechnet, in der die gesetzlichen Regeln weniger vorteilhaft waren. Neue Renten profitieren bereits von verbesserten Berechnungszeiten, ältere dagegen nicht. Um diese Lücke zu schließen, wurden zwei Schritte eingeführt: ein vorläufiger Zuschlag ab Juli 2024 (§ 307j SGB VI) und ein dauerhafter Zuschlag ab Dezember 2025 (§ 307i SGB VI). So erhalten Millionen Betroffene eine gerechtere Rentenhöhe.
Wer bekommt den Zuschlag?
Der Zuschlag gilt für Renten, die zwischen 2001 und 2018 begonnen haben. Dazu gehören vor allem Renten wegen Erwerbsminderung, Hinterbliebenenrenten und Altersrenten, wenn sie direkt an eine frühere Erwerbsminderungsrente anschließen. Wichtig ist, dass die Rente am jeweiligen Stichtag noch bestand. Auch ältere Bezeichnungen wie „Berufsunfähigkeit“ oder „Erwerbsunfähigkeit“ fallen darunter, solange der Beginn im genannten Zeitraum liegt. Renten vor 2001 oder nach 2018 sind nicht erfasst, weil sie nach anderen Regeln berechnet wurden.
Hinterbliebenenrenten werden einbezogen, wenn der Beginn zwischen 2001 und 2018 liegt und vorher keine eigene Rente der verstorbenen Person gezahlt wurde. Selbst ein Tag Abstand reicht aus. Altersrenten werden berücksichtigt, wenn sie ohne Unterbrechung auf eine begünstigte Erwerbsminderungsrente folgten. Sobald es eine Lücke gibt, entfällt der Anspruch.
Wie hoch ist der Zuschlag?
Die Höhe richtet sich nach dem Jahr des Rentenbeginns. Wer zwischen 2001 und Mitte 2014 erstmals Rente bekam, erhält 7,5 % Zuschlag. Wer zwischen Mitte 2014 und 2018 begann, erhält 4,5 %. Diese Werte gelten sowohl für den vorläufigen Zuschlag als auch für den dauerhaften Zuschlag ab Dezember 2025.
Der vorläufige Zuschlag (Juli 2024 bis November 2025)
Dieser Zuschlag wird monatlich zusätzlich zur bestehenden Rente ausgezahlt und erscheint als gesonderte Zahlung. Er wird nicht mit anderem Einkommen verrechnet und nicht mit anderen Rentenarten zusammengeführt. Die Auszahlung erfolgt in der Regel zwischen dem 10. und 20. eines Monats. Da er auf dem aktuellen Zahlbetrag basiert, verändert er sich nur einmal – nämlich zum 1. Juli 2025, wenn die regulären Renten angepasst werden.
Der dauerhafte Zuschlag ab Dezember 2025
Ab Dezember 2025 wird der Zuschlag fest in die Rentenberechnung übernommen. Dazu werden zusätzliche Entgeltpunkte berücksichtigt, die dauerhaft in der Rentenformel bleiben. Die Rentenversicherung legt dafür den Stand der Rente am 30. November 2025 zugrunde. Dadurch erhöht sich der tatsächliche Rentenbetrag langfristig und nicht nur als Zusatzleistung.
Schutzregel beim Übergang
Falls der neue dauerhafte Zuschlag ab Dezember 2025 niedriger wäre als der zuvor gezahlte vorläufige Zuschlag, wird der Unterschied rückwirkend ausgeglichen. Der Betrag wird mit dem Faktor 17 multipliziert und als einmalige Zahlung ausgezahlt. So entstehen keine Nachteile beim Übergang vom vorläufigen zum endgültigen Zuschlag.
Müssen Rentner etwas tun?
Nein. Die Zuschläge werden automatisch geprüft, berechnet und ausgezahlt. Ein Antrag ist nicht notwendig. Nur wenn jemand ausdrücklich eine Überprüfung beantragt hat, wird ein Bescheid verschickt – ansonsten erfolgt die Anpassung ohne zusätzlichen Schriftverkehr.
Zusammenfassung
Die Zuschläge nach § 307i und § 307j SGB VI sind ein wichtiger Schritt, um ältere Renten gerechter zu machen. Sie betreffen Renten wegen Erwerbsminderung, Hinterbliebenenrenten und bestimmte Altersrenten mit Rentenbeginn zwischen 2001 und 2018. Bis November 2025 wird ein monatlicher Zusatzbetrag gezahlt, danach wird der Zuschlag dauerhaft Teil der Rente. Alles läuft automatisch – ohne Antrag und ohne zusätzlichen Aufwand für die Betroffenen.